SXSW in Austin, Tag Zwei

Flower
Schönes Wetter und Hip-Hop-Tag in Austin, wenn man so will. Zumindest für mich. Es ging, zumindest auf dem Papier, um die Frage, ob man als Rapper in Würde altern kann. Und um den aus meiner Sicht extrem hellen Rapper Chamillionaire. Ich wusste nicht viel über ihn, nicht mal, wie man seinen Namen ausspricht. Jetzt bin ich schlauer. Und am Abend dann auch ein Riesenkonzert mit DEN Gitarrenchefs, den Strokes. Sehr schön.
Donnerstag. Zweiter Tag beim SXSW-Festival in Austin, Texas. Remember? Everything is bigger in Texas! Auch die Musiker, denen man hier über den Weg läuft. Zum Beispiel Chamillionaire, den ich immer „Tschemillionär“ ausgesprochen habe, der sich aber Kemillionär ausspricht. Sehr cooler Typ, schlau, sympathisch, wirklich wortgewandt, er hörte zu, was sein Gegenüber ihn fragte, hatte schlaue Antworten parat, auch auf die Publikumsfragen. Inhaltlich vielleicht gar nicht so neu, er sprach über seinen Hit „Ridin’ Dirty“, über alternde HipHopper (die sich eigentlich schon ab 25 fragen müssen, wie lange es noch als Rap-Star weitergehen kann), über Jay-Z, von dem man gerne wissen möchte, wie er der Größte wurde, es andererseits aber gut findet, wenn man nicht alles über so einen Star weiß.
Chamillionaire hat sich irgendwann von seinem Label Universal getrennt, er wollte mehr Kontrolle über das, was er macht. Und: Das sollte sowieso der große Anspruch sein, wenn man sich als Musiker aufmacht, viel Geld zu verdienen: Nicht das Geld an sich, sondern die Freiheit, die damit einhergeht, die Freiheit, nur noch Dinge zu machen, die man möchte. Und nichts, das andere einem sagen. Der Traum des Kleinen Mannes, eigentlich.
Direkt danach eine weitere dieser SXSW-Diskussionen. Versprochen wurde, dass über die Richtung gesprochen wird, in die Hip-Hop sich bewegen muss, um nicht langweilig zu werden oder wie die Rockmusik zu erstarren („Hip-Hop Crossroads: Growing up or getting old?). Geliefert wurde ein furioser Beginn vom Journalisten Christopher R. Weingarten. Dann wurde es ziemlich schnell zäher, obwohl mit der Rapperin Invincible aus Detroit (die mal zu einer Art „weiblicher Eminem“ aufgebaut werden sollte, das aber nicht wollte) und zwei Mitgliedern und dem Manager von TheeSatisfaction“ aus Seattle coole Gäste auf der Bühne saßen. TheeSatisfaction haben einen Deal mit dem Indie-Label Subpop abgeschlossen, darüber hätte man gerne mehr gehört, aber steckt wohl gar nicht so viel hinter dieser Hip-Hop-Indie-Kollaboration. Ehrlich gesagt: Am Ende war ich nicht viel schlauer als zuvor, außer, dass mir Invincible noch mal klar gemacht hat, dass nicht jeder bereit ist, seine Seele zu verkaufen, um ein Star zu werden.
Jedenfalls fand der Hip-Hop-Tag danach ein krasses Ende: The Strokes traten auf, um 20 Uhr 15, zur Tagesschau-Zeit, die es hier natürlich nicht gibt, ging ihr Konzert auf einer Freilichtbühne am Fluss los. Konzert war umsonst, die Kosten übernahm offenbar Jeanshersteller Levis, dafür allerdings war es ganz schön gefährlich. Nur Taschen wurden durchsucht, keine Gäste. Dafür kamen zehntausende und zwar so geballt, dass man Love-Parade-Verhältnisse befürchten musste. Irgendwann wurde keiner mehr aufs Gelände gelassen, es gab welche, die den Zaun stürmten. Ging aber alles gut, soweit ich das mitbekommen habe. Dann kamen neue und alte Songs, bei der letzten Nummer der Strokes ging ein Feuerwerk (ein echtes, am Himmel) los. Großer Moment, glaube ich. Weiß es aber nicht mehr genau. Foto? Nur von der Location, wo die Strokes wenig später (im Dunkeln) auftreten sollten.