Die ersten Tage im Tresor: Techno in Trümmern

Berlin, 1990, direkt nach dem Mauerfall, aber noch vor der Wiedervereinigung: Dimitri Hegemann, in West-Berlin wohnender Festival-Organisator und Club-Betreiber, ist mit ein paar Freunden in Ost-Berlin unterwegs. Sie suchen Räume, in denen sie Partys veranstalten können. Als sie kurz vor dem Potsdamer Platz im Stau stecken bleiben, fällt ihr Blick zur Seite. Hegemann: „Da stand so eine Baracke, das war in der Leipziger Str. 126 a, da sprang dann auch jemand rum mit nem großen Schlüssel. Das war der Hausmeister und der hat uns dann auch reingelassen und dann haben wir den Raum auch entdeckt. So einfach war das.“
Leipziger Straße 126a – für fast 15 Jahre sollte dies eine der wichtigsten Adresse für Techno-Fans werden: Hier gründete Hegemann den Tresor, Berlins legendären Techno-Club – in einem Gebäude, dass zunächst keinen Strom und keinen Wasseranschluss hatte, aber viele versteckte Räume, die nach und nach entdeckt werden mussten – darunter auch das Herzstück des Tresors: „Wir kamen also in einen riesigen Kellerbereich. Das waren wohl die Lagerräume des ehemaligen Kaufhaus Wertheim, das nach dem Krieg gesprengt wurde. Aber der Keller war noch da. Wir haben uns verlaufen. Mir war sofort klar, hier wird was entstehen. Das war ein ganz großer Moment.“
Wem das Tresor-Gelände und die Gebäude darauf genau gehörten, war Hegemann lange Zeit nicht klar. Sein Ansprechpartner: Das so genannte Bundesvermögensamt. Die ungeklärten Besitzverhältnisse und wechselnden Pläne für eine Bebauung sorgten dafür, dass der Club von Anfang an als Provisorium existierte. Immer wieder kursierten Gerüchte über seine bevorstehende Schließung. Letztendlich aber hatte die Stadt nach der Wiedervereinigung dringendere Probleme als den Tresor: „Wir hatten ja auch keine Ahnung, wie wir da vorgehen sollten, haben dann gesagt, wir wollen eine Galerie machen. Das war der Beginn von Zwischennutzung - für zwei Monate. Ja, da können wir mal drüber reden – das war ja alles absolut unklar.“
Den Tresor in der Leipziger Straße gibt es nicht mehr: Er schloss im April 2005 seine Türen und machte später an anderer Stelle wieder auf. Die Gebäude wurden abgerissen. An ihre Stelle traten Bürobauten, die bis heute Schwierigkeiten haben, Mieter zu finden. Noch einmal Hegemann: „Wir wurden in Ruhe gelassen, wir konnten machen was wir wollten, das war sehr wichtig, denke ich heute, zwanzig Jahre später, sehr sehr wichtig. Uns wurde nicht ständig reingeredet, so entwickelte sich eine kreative Stimmung.“

Nicht wundern - das ist ein für hier umgeschriebener Radiobeitrag von mir über die ersten Tage des Tresors.