Moby und seine Memoiren: Porcelain

Mobys Buch Porcelain
Richard Hall, der Welt besser bekannt als Moby, hat ein Buch geschrieben. Und das ist überraschend witzig, vor allem dann, wenn man weiß, wie spröde und ernst der New Yorker sonst so ist. Aber fangen wir von vorne an: Man muss Moby nicht mögen, kann seine Tracks kitschig und gefällig finden, aber ich kenne nicht viele Musiker, die so lustig ihr Leben und ihren Werdegang beschreiben. Moby war einmal ein kleiner Niemand und wenn man so liest, wie er langsam bekannter geworden ist und schließlich der ganzen Welt ein Begriff wurde, dann drängt sich der Gedanke auf, dass er das tatsächlich nicht wegen seiner Art oder wegen cleveren Netzwerkens oder wegen Geld oder weil er so gutaussehend ist, geschafft hat, sondern tatsächlich wegen seines Talents. Moby ist kein Großmaul, sondern schafft es sehr schön, diesen ziemlich unwahrscheinlichen Weg nachzuerzählen. Fast jedes Kapitel eine lustige Geschichte für sich, wirklich gut geschrieben (zumindest in der Originalausgabe, keine Ahnung, wie die Übersetzung ausgefallen ist). Was kommt alles vor? Diverse Begegnungen mit Menschen wie Jeff Buckley, Nina Hagen, David Bowie, Trent Raznor, Keith Flint, Madonna, etc. Andere würden diese Namen nutzen, um sich selbst noch größer zu machen. Moby scheint durch diese Begegnungen eher verunsichert. Frauen spielen eine Rolle, aber auch da geht vieles schief. Die Geschichte New Yorks von den späten 80ern bis heute bildet die sich ständig verändernde Kulisse. Und natürlich die elektronische Tanzmusik, die ja auch nicht unbedingt stillstand. Schönes Buch. Feiner Typ, der Moby.

Aus Liebe zu Detroit ...

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So ein Buch kann nicht jeder zusammenstellen, dafür braucht es jemand mit viel Überzeugung und Überzeugungskraft. Marie Staggat, Fotografin aus Berlin, hat beides - und deshalb auch so ziemlich jeden House- und Techno-Menschen aus Detroit vor die Kamera bekommen und daraus "313ONELOVE" zusammengesetzt, einen umfangreichen bebilderten Liebesbrief an die Stadt, die der Welt den Techno brachte. Viele Hände und Ohren sind zu sehen (sind ja auch die Hauptarbeitsgeräte von DJs), aber auch Gesichter, Häuser, schlaue Sprüche. Carl Craig, der Amp Fiedler, der Moodymann, Robert Hood, Mad Mike Banks … alle sind hier zu finden. Wie Marie Staggat all diese Menschen, die nicht immer auf Öffentlichkeit aus sind, überreden konnte? Hat vermutlich viel damit zu tun, dass sie selbst irgendwie "techno" ist (sie gehört zum Umfeld des Tresors in Berlin, der ja seit seinem Bestehen die Achse Berlin-Detroit pflegt) und es ernst meint mit der Bewunderung und der Liebe zu Detroit und ihren Menschen. Ach ja, als wäre das noch nicht genug: das Buch ist auch noch Teil eines Charity-Projekts für Kinder aus Detroit.

Klassik im Remix - arm oder warm?

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Schon seit geraumer Zeit versucht die Klassik, neue Fans zu gewinnen, neue Käuferschichten zu erschließen. Sie tut das, indem sie ihre Stars anders vermarktet, aber auch, indem sie sich öffnet. Klassische Orchester arbeiten mit Popmusikern zusammen oder spielen, wie etwa die Londoner Philharmoniker, die Titelmelodien von Computerspielen nach.
Das Deutsche Symphonie Orchester (DSO) geht subtiler an die Sache heran: Teile der 4. Sinfonie von Anton Bruckner wurden von den Musikern neu eingespielt, ins Netz gestellt und zur weiteren Bearbeitung freigegeben. „Romantic Revolution – Bruckner Unlimited“, so der Titel des Remix-Wettbewerbs für Laptop-Künstler. Was soll ich sagen … ich war bei der Preisverleihung dabei. Read and rave on nach dem Klick ...

Max Richters Sleep: Schläfchen mit Musik

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Wenn Menschen während eines Konzerts einschlafen, dann sorgt das eigentlich immer für Heiterkeit, nur vielleicht nicht bei der Begleitung, die dann schon mal dezent den Arm ausfährt, um den Schlafenden ins Hier und Jetzt zurückzuholen. Bei Max Richter ist das anders, der in Berlin lebende britische Komponist hat sein neues Werk ja "Sleep" genannt und meint es auch so: über acht CDs hinweg will er uns in den Schlaf wiegen und dann dazu den Soundtrack liefern. Live gibt es das Ganze auch, gerade hat er im Berliner Kraftwerk eine Nacht lang durchgespielt und über 400 Menschen lagen in der großen Halle dieses besonderen Ortes auf Feldbetten, hatten sich ihre eigenen Decken und Kissen mitgenommen, lauschten erst sehr konzentriert den ambienten Klassiktönen und fielen dann in mehr oder weniger tiefen Schlaf. Read and rave on nach dem Klick ...

Technoarm im neuen Design!

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Das Leben mag ein langer ruhiger Fluss sein, aber manchmal schlägt dieser Fluss auch Wellen, steigt über seine Ufer. Oder kommt völlig zum Erliegen. Sehr schön beobachten kann man das an dieser bald sieben Jahre alten Webseite namens Technoarm. Mal passiert hier mehr, mal weniger, mal gar nichts. Jetzt ist mal wieder was passiert: ich bin umgezogen auf einen neuen Rechner, mit allem drum und dran. Eigentlich kein großes Ding, aber ich die alten Programme laufen da nicht mehr. Müssen neue her, klar. Read and rave on nach dem Klick ...

Review: SVIIB von School of Seven Bells

SVIIB - ein fröhlich klingendes Album mit dramatisch-tragischer Vorgeschichte! School of Seven Bells kommen aus New York, bestanden mal aus drei Mitgliedern, nämlich den Zwillingsschwestern Deheza – Alejandra und Claudia – und dem Partner von Alejandra, Benjamin Curtis. Es ist aber nur noch eine übrig: nämlich genau dieses Alejandra. Ihre Schwester verließ die School of Seven Bells 2010. Und Benjamin Curtis, starb vor zwei Jahren an Leukämie. Zurück blieben nicht nur eine ziemlich am Boden zerstörte Sängerin, sondern auch eine Reihe von Songs, die allerdings noch nicht fertig produziert waren. Diese Produktion wurde nachgeholt, mit Hilfe des Produzenten Justin Meldal-Johnson, der auch schon mit M83 oder den Nine Inch Nails zusammengearbeitet hat. Read and rave on nach dem Klick ...