Heutzutage ist das natürlich gar nichts Neues, Aufregendes,
Besonderes mehr: Musik, die minimal und kompliziert ist, den
Zuhörer fordert, aber gleichzeitig einen gehörigen Groove
entwickelt, der es dann doch wieder leicht macht, den Sounds zu
folgen, sich von ihnen führen zu lassen. Als
Rajko Müller alias Isolée
im Jahr 2000 mit seinem Debütalbum „Rest“ das neue Jahrtausend auch
musikalisch einläutete, gab es solche Sounds aber noch nicht -
Sounds, die aus kleinen Bits und Pieces, aus Stücken und Stückchen
bestanden und sich zu großen Klanggemälden zusammensetzten. Doch
wie genau hat Isolée das geschafft?
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Schlüsselworte: Isolée, Rest, Techno
Typisch: Auf der
Homepage der B-parade-„Organisatoren“ (muss man
leider in Anführungsstriche setzen, denn normalerweise sind
Organisatoren ja dazu da, etwas auf die Beine zu bekommen, was hier
definitiv nicht der Fall ist) stehen natürlich überhaupt keine
aktuellen Infos. Nichts darüber, wie sich die Verhandlungen mit der
Stadt Berlin über eine Loveparade-ähnliche Großveranstaltung
entwickelt haben. Nichts Nennenswertes über mögliche DJs, über
künstlerische Konzepte, über die Idee dahinter. Kein Wunder, wer
die Pressekonferenz der B-parade-„Organisatoren“ im März erlebt hat
(
hier noch mal zum
Nachlesen), wer die Auftritte in den letzten Jahren erlebt hat,
der weiß: Das alles sind Sachen, mit denen sich dort niemand
beschäftigt. Es geht nämlich nach wie vor nur um eins: Endlich eine
B-parade durchführen dürfen und damit hoffentlich Geld verdienen.
Aber ganz ehrlich: Das mit dem Geldverdienen hätte sicherlich auch
nicht geklappt. Deshalb ist es wohl am besten, dass es auch dieses
Jahr wieder nichts wird mit dem Technoumzug. Denn auch wenn die
offizielle Bestätigung noch fehlt: Es scheint auch dieses Jahr
keine Erlaubnis zu geben.
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Schlüsselworte: B-parade,
Loveparade
Vielleicht doch kein Zufall, dass ich
Deadmau5, diese verkleidete Kunstfigur, hinter der der
kanadische Produzent Joel Zimmerman steckt, irgendwie besser finde
als David Guetta, auch wenn sie ähnliche Felder beackern und
zumindest live ähnlich viel Publikum anziehen. Deadmau5 ist
nämlich, trotzdem oder weil er seinen Kopf in eine Mausmaske
steckt, ein interessanter Typ mit, jetzt kommt’s, eigenem Kopf. Und
ehrlich scheint er auch zu sein, anders ist nicht zu erklären, dass
er das ganze Mysterium, dass andere Stars der
Electronic Dance
Music (EDM) um sich herum aufbauen, mit einem kurzen Text
komplett einreißt.
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Schlüsselworte: Deadmau5
„Techno Pop“ sollte es eigentlich mal heißen, das 1986 von
Kraftwerk veröffentlichte Album „Electric Café“ – und hieß es dann
auch bei der Wiederveröffentlichung im Jahr 2009. Als Anthony
Rother 2001 unter dem Pseudonym Little Computer People seine Platte
„Electro Pop“ herausbrachte, war das also gleichzeitig Zitat,
Kommentar, Zeichen. Vereinfacht gesagt: Anthony Rother wollte
beides, Tradition und Neubeginn. Keine schlechten Voraussetzungen,
um ein Album zu machen, das a) heute im Second-Hand-Verkauf relativ
teuer und b) irgendwie auch ein Klassiker ist. Aber was genau macht
es dazu?
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Schlüsselworte: Anthony
Rother, Little Computer People

Ich glaube nicht an Musik für Jahreszeiten oder bestimmtes Wetter,
aber ich glaube an Musik für bestimmte Stimmungen. Da kommt ein
Album wie „Particles Of Bliss“ gerade recht, das als
Gesamtkunstwerk nur einen Zweck verfolgt: Die Entführung aus der
Realität. Folgerichtig ist es beim Kölner Label „Traum“ erschienen
und auch der Macher, der aus Magdeburg stammende, in Berlin lebende
Produzent Ryan Davis hat mit Wirklichkeitsfluchten so seine
Erfahrung. Er heißt nämlich gar nicht Ryan Davis, sondern Sebastian
Waack und gibt sich und seinen seelenvollen, neotrancigen
Techno-Klängen einen internationalen Anstrich, der nach England zu
weisen scheint. Ich glaube, dass Waack alias Ryan Davis mit seiner
Platte eine Grenze überschritten hat. Er ist nicht mehr nur ein
Produzent, der seine Soundbausteine wie Lego zu Tracks
zusammensetzt, sondern handelt wie ein richtiger Komponist, der
Gefühle und Stimmungen in Klänge übersetzen kann. Kitschig ist das
nicht, aber sehr warmherzig. Hat Musik die Kraft, die Produktion
von körpereignen Drogen anzuregen? Natürlich hat sie das. Ryan
Davis, ein Meister des Endorphin-Technos.
Schlüsselworte: Ryan
Davis
Lustig, da hat man seit fast einem Jahrzehnt eine Platte, die man
ganz und gar toll findet, aber erst jetzt, wo man sie für Netz und
Radio zugleich noch einmal vorstellen möchte, erschließt sich einem
der Albumtitel: Alcachofa. Artischocke! War mir bislang nicht klar,
ist aber komplett logisch. Denn wie man ja bei einer Artischocke
auch die Blätter entfernen muss, um ans Herz zu kommen, muss man
auch auf diesem Meisterwerk von
Ricardo
Villalobos nach und nach die Soundschichten durchdringen, um
die Seele greifen zu können. Zu pathetisch? Na gut, ich kann auch
anders.
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Schlüsselworte: Ricardo Villalobos
Mist, habe ich doch die ganze Zeit gedacht, ich lege am Samstag in
der Heidestraße auf. Aber nein, schon jetzt, am Freitag (15. Juni)
bin ich dran. Zusammen mit Gesine Kühne - Traum-DJ-Duo, sage ich
mal, und hoffentlich Wiederholung glorreicher zurückliegender Gigs.
Der Laden hat keinen Namen, aber die Party: Heideglühen. Adresse?
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Schlüsselworte: Martin Böttcher
Was war es noch mal, das ich an
Monika Kruse, die
seit Mitte der 90er Teil der Berliner Technogesellschaft ist, immer
am interessantesten fand? Die Haare! Ihre langen blonden Locken und
ihren harten Techno konnte ich in meinem Kopf nur schwer
zusammenbringen. Irgendwie sah das für mich immer nach gestandener
Businessfrau aus, nicht nach DJ, wenn sie an den Plattentellern
stand und von den Massen gefeiert wurde. Aber da sind wir natürlich
wieder an dem Punkt, welche Rolle Frauen innerhalb der Musik- und
speziell in der Clubszene zugedacht wird. Auf gut Deutsch: Nicht
die Musik, nicht die Party, nicht die Fans, sondern meine
Vorurteile, von denen ich gar nicht wusste, dass sie überhaupt da
sind, haben mein Bild von Monika Kruse bestimmt. Traces, Spuren,
heißt ihr neues Album.
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Schlüsselworte: Monika
Kruse
Das englische Wörtchen „superimpose“ kann alles Mögliche bedeuten.
Ich glaube ja, dass
Paul Kalkbrenner, als er sein Debütalbum
„Superimpose“ genau so nannte, Gefallen am Blenden (im Sinne von
„etwas vortäuschen, was nicht da ist“) oder am Übereinanderlegen
fand. Nicht, dass er ein Blender ist, aber ich habe ihn irgendwann
in den Nuller Jahren mal kennengelernt und denke, dass er einfach
Freude an so einem Wort hätte. Übereinanderlegen aber passt
natürlich auch, wenn man daran denkt, wie sich im Techno die
einzelnen Sounds überlagern. Aber eigentlich will ich hier gar
nicht über einen Albumtitel schreiben. Sondern über das Album
selbst und warum es mir so gut gefällt. Mache ich ja auch.
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Schlüsselworte: Paul
Kalkbrenner, Techno
Die anspruchsvolle elektronische Popmusik und ihre Anhänger sahen
sich in der letzten Zeit schwer attackiert: David Guetta und Lady
Gaga, Madonna und Skrillex, selbst Gossip schienen Teil des
aufgewärmten Masterplans zu sein, der Dance Music möglichst
komplett die Intelligenz auszutreiben. Eine einfache Gleichung: Je
lauter der Sound und je billiger die Melodie, desto höher die
Chartposition. Kirmestechno, Mutanten-Dubstep und andere
Electro-Blähungen gingen zum Großangriff über, ganz so, als hätte
es die letzten fünfzehn Jahre nicht gegeben. Der Bombast übertönte
all die smarten, überraschenden, experimentellen Künstler und
verstummte nur für einen Augenblick, um Musiker wie James Blake
oder Grimes kurz winken zu lassen. Dann ging das Bombardement
weiter. Jetzt, aber schlägt die intelligente Seite zurück und zwar
in Gestalt der nach wir vor so unwahrscheinlichen Helden von Hot
Chip.
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Schlüsselworte: Hot Chip,
In
Our Heads